Luang Namtha

13Jan2020

Eine Busfahrt von vier Stunden stand uns bevor. Wir hatten nicht gefrühstückt gehabt und auch kein Vesper dabei. Zum Glück wurde uns an der Grenze ein VIP Bus zugeteilt, also alles nicht so schlimm... als wir einstiegen und die Betten sahen, freuten wir uns auf eine chillige Fahrt. Auf der großen Liegefläche Platz genommen, machten wir es uns gemütlich. Zwei Minuten später saßen wir im Schneidersitz zwischen 7 Personen eingequetscht und nahmen erstaunt die Plastiktüten entgegen. Nach Abfahrt des Busses erkannten wir den Sinn darin: es ging in tausend Serpentinen und mit vielen Schlaglöchern eine Passstraße nach der anderen herauf. Später wurde uns demonstriert wie die Tüten zu benutzen seien und so verbrachten wir die restlichen 4 Stunden damit uns die Ohren zu zuhalten und den Gestank möglichst gut auszublenden. Unser Hungergefühl fiel uns dabei sehr leicht zu ignorieren. Als wir es dann tatsächlich schafften lebendig in Luang Namtha anzukommen, erkannten wir, dass wir uns in einem wunderschönen Dorf befanden. Mit den Bergen um uns herum, fühlten wir uns fast wie im Allgäu. Heilig Abend viel für uns also etwas anders aus, als gewohnt. Ein leckeres Abendessen und das war's.
Am nächsten Tag leihten wir uns Fahrräder aus und sahen uns Luang Namtha an. Was als harmlose Fahrradtour begann, entpuppte sich als Moutainbike Tour, als wir uns einen Wasserfall in der Nähe ansehen wollten. Die steinige Straße entlang, immer schön bergauf. Dabei kamen wir durch ein paar sehr kleine Dörfer. Dort kannten die Menschen keinen oder nur sehr, sehr wenig Tourismus. Deshalb kamen die Kinder an den Straßenrand gerannt und begrüßten uns, egal ob nur mit einem Winken, oder einem "Helloooooo"... . Schlussendlich besuchten wir noch nicht einmal den Wasserfall, da wir die Straßen nicht im dunkel überwinden wollten. Trotzdem war dieser kleine Tagesausflug lohnenswert.
Um ein bisschen mehr von den Sehenswürdigkeiten außerhalb zu sehen, liehen wir uns einen Roller aus und düsten durch die Landschaft. An vielen Feldern vorbei, kämpften wir uns immer wieder die unmöglichen Straßen entlang zu Viewpoints und Tempeln.
Luang Namtha ist berühmt für seine Tracking-Touren. Wir entschieden uns, auch eine auszuprobieren. Mit zwei Australierinnen ging es am Morgen los. Zwei Tage wandern und eine Übernachtung bei Einheimischen (Homestay) standen auf dem Plan. Keiner von uns Vieren hatte viel Gepäck dabei. So durften wir uns die Schlafsäcke in Plastiktüten an die Rucksäcke binden. Und ab die Post. Wir wanderten einige Stunden durch den dichten Jungel ohne Weg, teilweise auch einen Wasserfall hinauf. Wir waren gottfroh richtige Wanderschuhe dabei zuhaben, was unsere Guides hingegen nicht als wichtig empfanden und den ganzen Weg (nicht Weg) in Flipflops zurück legten. Mittagessen gab es mitten im Dschungel. Die Guides bastelten aus Bambus Töpfe, Stäbchen und kochten über dem Feuer unser Gemüse. Mit knallroten Köpfen kamen wir in dem minikleinen Dschungeldorf an. Eine nette Begrüßung würden wir wohl in Deutschland anders deklarieren, denn alle Bewohner starten uns ohne eine Mine zu verziehen ununterbrochen an. Wir wurden in ein kleines Holzhaus geführt in dem 3 Familien leben und wir auch unsere Nacht verbringen durften. Das Haus errinerte uns ein bisschen an die Mittelalterbilder aus unseren Geschichtsbüchern. In der Mitte war ein Feuer über dem ausschließlich Reis gekocht wurde und am Rand befanden sich einige glatte Holzflächen die als Betten dienten. Unter ihnen wohnten Hühner, Hunde, Katzen und Schweine. Nach einigen Versuchen, mit den Familien zu kommunizieren, schafften wir es, ein kleines Fange-verstecke Spiel mit den Kindern anzufeuern (Dank Kim, die aus lauter Verzweiflung einfach ein Kind mit einem Stein beworfen hat). Unser Tag endete mit dem Sonnenuntergang und der nächste startete dementsprechend früh. Auf Grund des nicht ganz so gutem Schlaf, machten wir uns noch sehr müde auf den Weiterweg und verabschiedeten uns schweren Herzens von dem harmonischen Dortleben. Auf unserem Rückweg, durchquerten wir ein Dorf der Hmongs. Diese feierten gerade ihr Neujahr. So hatten wir einen sehr spannenden Blick auf die traditionellen Kostüme und Zeremonien, aber auch auf die enorme Gastfreundlichkeit. Jedes Haus wollte uns zu einem "Bier-Lao" einladen und ein Nein wurde im Prinzip überhört. Schon saßen wir wieder in einem Tuck-Tuck auf dem Weg zurück ins Hostel. Als Dankeschön für die schöne Zeit ließ Paula in dem kleinen Dorf ihr Handy liegen und bekam es auch nach langem Nachtelefonieren nicht mehr wieder. Paula und ihre Handys... So fuhren wir aus Luang Namtha zwar mit vielen neuen Erlebnissen aber mit einem Handy weniger ab.

Bis denne
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